Verantwortung! Wofür?

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Verantwortung!

Übernimmst du Verantwortung? Bist du eine verantwortungs­bewusste Person? Darauf sind die meisten stolz, denn Verantwortungs­bewusstsein gilt als tugendhaft! Schliesslich kennt jeder auch Zeitgenossen, die nur wenig Verantwortung übernehmen, oft damit aber erstaunlich elegant durchs Leben gleiten und wie die Katzen immer auf die Füsse fallen.

Und genau hier liegt die Krux. Verantwortung ist ein zweischneidiges Schwert! Sie ist einerseits wichtig, kann aber auch zur Belastung werden, wenn sich jemand übermässig verantwortlich fühlt - oder besser gesagt, verantwortlich macht, denn das ist nicht zuletzt auch eine Entscheidung.

Frage dich einmal: Wofür fühlst du dich alles verantwortlich? Klar: Familie, Kinder, Haushalt, Job, usw. Aber gibt es auch Bürden, die du freiwillig übernimmst?

Zu viel Verantwortung übernehmen

In die Zukunft planen
Menschen die zu viel Verantwortung übernehmen - oft verbunden mit einem gewissen Perfektionsanspruch oder Hang zum Idealismus - neigen dazu, nicht nur in der Gegenwart zu leben, sondern oft auch in die Zukunft zu planen.
Beispiel: Beim Parkieren stellt man den Wagen nicht einfach in den Schatten, sondern denkt voraus, wo der Schatten sein wird, wenn man in ein paar Stunden zurück kommt. Das kann sogar so weit gehen, dass man den Wagen ganz bewusst an die pralle Sonne stellt, damit er später schön im Schatten eines Baumes steht.

Leiden bei nicht erfüllten Erwartungen
Beispiel: Schnecken sind der Ärger jedes Gärtners. Entweder sorgt man dafür, dass die Schnecken gar nicht an das Gemüse heran kommen und lässt anschliessend den Dingen entspannt ihren Lauf. Oder aber man kontrolliert mehrmals täglich seine Pflanzen und sammelt alle Schnecken ein, denen man habhaft werden kann. Und wenn trotz aller Pflege eine Pflanze den Schnecken zum Opfer fällt, leidet der Gärtner buchstäblich mit, ja entwickelt sogar einen persönlichen Groll gegen die gefrässigen Viecher, welche es gewagt haben, in "bösartiger Absicht" über den liebevoll gepflegten Salat herzufallen!

Anderen ihre Verantwortung abnehmen
Ein gewisses Mass an Empathie in einem Gespräch ist wichtig. Wenn sich jedoch eine der beiden Personen zur Aufgabe macht, allein die Verantwortung für eine positive Stimmung auf sich zu laden, sind zuletzt beide frustriert. Nicht nur bleibt damit die Aufgabe an einer Person hängen, während sich die andere bequem zurücklehnen kann, sondern die andere Person fühlt sich auch entmündigt, selber etwas beizutragen.
Dafür zu sorgen, das sich auch der Gesprächspartner wohl fühlt, ist natürlich wünschenswert, kann aber im Übermass zu einer Bevormundung des Gegenübers führen. Das zeigt die Gratwanderung.

Gerade idealistisch veranlagte oder sehr gewissenhafte Menschen neigen dazu, zu viel Verantwortung zu übernehmen. Sie glauben, überall nach dem Rechten sehen zu müssen, im festen Glauben, damit sich selbst und allen anderen etwas Gutes zu tun! Oder sogar, dass dieser Einsatz notwendig sei, damit nicht alles zusammenbricht!

Zu wenig Verantwortung?

Interessant wird es am unteren Ende der Skala, denn dort sind nicht etwa Tagediebe und notorischen Egomanen zu finden, wie man erwarten könnte, sondern erwachte und erleuchtete Personen! Da ist kein "Ich" mehr, das Verantwortung übernimmt. Und trotzdem wird alles getan, was getan werden muss. Aber all das aus der Perspektive der Gegenwart - des "Jetzt". Damit fällt auch das ganze Leiden weg und die Bürde der Verantwortung.

Meine Verantwortung - deine Verantwortung

Dieser Artikel soll keine Aufforderung sein, um von einem Extrem ins andere zu fallen und sich um gar nichts mehr zu kümmern! Aber vielleicht dazu anregen, sich mal zu überlegen, wo man Verantwortung übernimmt, die man gar nicht tragen müsste? (Praktische Anregungen dazu findest du in der orangen Box weiter unten)
Zu schauen, dass die Kinder rechtzeitig in die Schule kommen, ist absolut in Ordnung! Sich aber ständig Sorgen um seine erwachsenen Kinder zu machen und sie jeden zweiten Tag anzurufen, ist vielleicht übertrieben.

Verantwortung ist immer auch eine Bürde! Und diese kann einen dabei behindern, sich selbst zu entfalten und seine eigenen Wünsche zu leben!
Auch dem Erwachen steht ein übermässiges Verantwortungsbewusstsein im Weg.
Und wir alle kennen Leute, die sich ihr Leben lang immer nur für andere aufgeopfert haben, ohne jemals selbst gelebt zu haben.

Unbewusste Reaktionen

Oft sind diese übernommenen Verantwortlichkeiten ja sehr subtil und laufen weitgehend unbewusst ab.
Beispiel: Wenn wir in der Stadt unterwegs sind und irgendwo gehämmert wird, stört uns das in der Regel nicht. Wenn am Arbeitsplatz gehämmert wird, stört das schon mehr. Und wenn zuhause der Nachbar hämmert, stört es ungemein! Drei Mal genau dasselbe Geräusch. Was ist der Unterschied? Wir fühlen uns zunehmend verantwortlich für die Ruhe und den Frieden am Arbeitsplatz resp. Zuhause. Und da wir nichts gegen dieses Geräusch tun können, ärgern wir uns und leiden dabei!
Oder wir lächeln im Treppenhaus die Nachbarn an, obwohl weder ihnen noch uns vielleicht gerade danach zumute ist. Schliesslich sind wir an einer guten Beziehung interessiert und befürchten, dass sie darunter leiden könnte, wenn wir uns authentisch zeigen.
Oder während unserer Abwesenheit zieht ein Gewitter auf und der Wäscheständer steht noch draussen. Notfalls steckt man halt alles noch einmal in die Waschmaschine und das Problem ist erledigt. Stattdessen macht man sich den ganzen Tag Sorgen um die Wäsche und leidet quasi auf Vorrat mit, weil man sich für die Wäsche verantwortlich fühlt.


Wie bei allem gibt es ein gesundes Mittelmass. Zu wenig ist nicht gut, zu viel aber auch nicht.
Urlaube und Tapetenwechsel sind nicht zuletzt deshalb so entspannend, weil wir uns während dieser Zeit viel weniger verantwortlich fühlen und entsprechend unbeschwerter sind.

Dazu gäbe es noch ganz viel zu sagen. Aber das überlasse ich gern dir, dieses Thema weiter zu erforschen, wenn es dich interessiert.


In diesem Sinne wünsche ich dir einen wunderschönen Tag in Freude und Leichtigkeit!
Verantwortungsarme Grüsse! :-)

Wofür bin ich tatsächlich verantwortlich?

Beobachte dich mal im Laufe des Tages, für was du alles die Verantwortung übernimmst. Oft laufen diese Entscheidungen ja unbewusst ab, sei es aus jahrzehntelanger Gewohnheit, Pflichtgefühl, Perfektionismus, Idealismus oder Tugendhaftigkeit.
Schärfe einfach mal dein Bewusstsein dafür.
Und in einem zweiten Schritt kannst du dich fragen, wie es sich anfühlt, wenn du die Verantwortung für einmal ganz bewusst NICHT übernimmst. Beobachte dabei deine Gedanken und Befürchtungen, die dabei aufploppen. Diese geben dir ein gutes Bild über das tiefer liegende Muster.

"Yin" statt "Yang"

Der zweite wichtige Aspekt auf dem Weg zur Freiheit ist, Verantwortung nach Möglichkeit durch tragende Strukturen zu ersetzen. Wenn man an der Tür ein stabiles Schloss anbringt, braucht man nicht die ganze Nacht Wache zu schieben. Oder ein Moskitonetz über dem Bett entbindet einem von der Verantwortung, stets mit einem Ohr auf das surrende Geräusch der Blutsauger zu achten. Oder ein neuer Handy-Akku löst die ständige Sorge, dass einem unterwegs der Strom ausgehen könnte, usw.
Gut gewählte "Yin"-Strukturen können einem dauerhaft viel unnötige "Yang"-Aktivitäten ersparen. Und damit Energien freisetzen für Dinge, die einem mehr Spass machen.