Stille
Sonntag Morgen
Stille. Eine wunderbare Ruhe liegt über dem Land.
Nebelschwaden wabern vorbei, umarmen einen Baum, fliessen durch ihn hindurch und ziehen lautlos weiter. Ein dürres Blatt bewegt sich im Wind, scheint mir etwas zuzuflüstern in einer fremden Sprache, die trotzdem irgendwie vertraut klingt und eine innere Sehnsucht weckt.
Es ist still. Keinerlei Zivilisationsgeräusche sind zu hören. Trotzdem fühlt es sich nicht einsam oder verlassen an. Die Sinne sind hell wach, nehmen jeden einzelnen Grashalm wahr - jeden Lufthauch auf der Haut.
Zeitlos oder zeitvoll?
Diese Insel der Ruhe und Stille scheint geradewegs aus der Zeit gefallen zu sein. Vielleicht wurde sie vergessen im hektischen Getriebe unserer Zeit? Oder sie hat sich aus freien Stücken entschieden, nicht mitzumachen bei diesem rasenden Stillstand, den wir "Fortschritt" nennen?
Ich würde sie nach ihrem Geheimnis fragen, aber jedes Wort wäre eines zu viel. Selbst das sonst omnipräsente Geplapper in meinem Kopf verstummt und öffnet den Raum für ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit und der Verbundenheit mit allem was ist. Dazu braucht es keine Worte, keine Ideen, kein Computer, kein spektakuläres Panorama, ... nur die Bereitschaft, sich voll und ganz auf den Augenblick einzulassen. Diese Art von "lebendiger Stille" hat die Fähigkeit, den Raum zu öffnen für Neues und Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Die leise Stimme der Seele lässt sich plötzlich wieder vernehmen.
"Hallo, wie geht es dir?"