Inneres Lächeln 2
Inneres Lächeln, Teil 2
Während es im ersten Teil um die Anwendung des Inneren Lächelns in alltäglichen Situationen ging, widmen wir uns nun der Frage, wie das Innere Lächeln auch bei herausfordernden Themen eine Hilfe sein kann.
Inneres Lächeln = Selbstliebe
Das Innere Lächeln ist eine Form von Selbstliebe und verwandt mit dem bewussten Atmen. Einerseits gönnen wir uns dabei unsere eigene Liebe. Indem wir aber zurück angelächelt werden, empfangen wir andererseits auch die bedingungslose Liebe des "inneren Gegenübers", sofern wir dieses Geschenk annehmen können. Das fällt uns nicht schwer, wenn eine positive Beziehung besteht.
Wenn es jedoch um schmerzhafte oder herausfordernde Themen geht wie körperliche oder seelische Schmerzen, Trauer oder Verletzungen, ist die Akzeptanz wahrscheinlich erst mal nicht gegeben. Schliesslich will man ja, dass das Unangenehme verschwindet! Entsprechend baut sich ein innerer Widerstand dagegen auf, wodurch das Leiden erst entsteht aus der Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Das Thema zu verdrängen bringt die unangenehmen Empfindungen jedoch nicht zum Verschwinden - im Gegenteil! Wenn man sich diese als Botschafter vorstellt, die so lange und zunehmend heftiger an die Tür klopfen, bis sie ihre Nachricht überbringen könne, versteht man, wieso es für die Heilung unerlässlich ist, sich den Problemen tatsächlich zuzuwenden.
Wirkung
Das Innere Lächeln ist so etwas wie ein Türöffner, der auf direktem Weg und ohne Umweg über den Verstand eine Beziehung herstellt. Man wendet sich wohlwollend einem Thema zu und sagt "Ja" dazu. Dadurch kommt man mit seinen tieferen Schichten in Kontakt und es ist leicht möglich, dass zum Beispiel verdrängte Trauer, die mit diesem Thema verbunden ist, wieder ans Tageslicht kommt. Damit kommt man unweigerlich auch mit den ganzen Schmerzen wieder in Berührung.
Letztlich ist das der Heilungsweg, indem uns die verdrängten Anteile wieder bewusst werden und so nach und nach wieder integriert werden können. Durch diesen Verarbeitungs- und Trauerprozess kann das Thema schliesslich heilen. Aber es besteht auch die Gefahr, dass zu viel aufs Mal hoch kommt, wenn die Tür ohne entsprechende Vorbereitung plötzlich geöffnet wird!
Du solltest dir also auf jeden Fall gut überlegen und in dich hinein spüren, ob ein Thema reif ist und ob du bereit bist, daran zu arbeiten! Auch ob du mit den Schmerzen und der Trauer umgehen kannst, mit denen du in Kontakt kommst! Ein dosiertes Öffnen der Tür ist mit dem Inneren Lächeln leider schwierig. Für traumatische Erlebnisse und andere Hammerthemen ist das Innere Lächeln deshalb nicht geeignet, da unter Umständen zu viel aufs Mal losgetreten wird, was zu einer Retraumatisierung führen kann! Dafür sind andere Methoden wie das "Weiche Atmen", Klopftechniken, Tension Release Exercises oder Somatic Experiencing besser geeignet.
Wenn es doch mal zu viel wird, ist diese Methode aus dem Somatic Experiencing hilfreich.
Disclaimer
Die Verantwortung liegt vollständig bei dir! Alle hier vorgestellten Methoden dienen einzig der Persönlichkeitsentwicklung und sind nicht dazu geeignet, sich selbst von einem Leiden zu therapieren! Sie stellen keine Therapie dar und können keinen Arztbesuch und keine therapeutische Behandlung ersetzen! Die Anwendung des hier Veröffentlichten geschieht vollständig auf eigene Gefahr und Verantwortung!
"Ja" sagen!
Mit der nötigen Vorsicht und gesundem Menschenverstand ist das Innere Lächeln jedoch eine wunderbare Methode, um mit kleineren Herausforderungen des Alltags umzugehen. Indem du ihnen ein liebevolles Lächeln schenkst und auch ihr Zurücklächeln annimmst, sagst du "Ja" dazu und legst deinen Widerstand dagegen ab.
Das bedeutet nicht, die Beschwerden gutzuheissen! Aber du akzeptierst die Fakten, dass sie nun einmal da sind und vermeidest so unnötiges Leiden. Die Verletzung schmerzt zwar, aber du leidest nicht zusätzlich durch die innere Ablehnung.
Du brauchst zum Beispiel nicht die Beule schönzureden und positiv zu denken, nachdem du deinen Kopf gestossen hast! Aber du akzeptierst, dass sie da ist und gehst nicht länger in den Widerstand dagegen. Und du brauchst dir auch keine Selbstvorwürfe zu machen.
Genau das bewirkt das Innere Lächeln. Es lässt den inneren Widerstand schmelzen. Indem du dich dem Thema wohlwollend zuwendest, kann die Botschaft überbracht werden (in diesem Fall dass es keine gute Idee ist, mit dem Kopf den Türbalken zu rammen - schon gar nicht mit Schwung!). Der Schmerz hat seine Schuldigkeit getan und kann wieder gehen, weil die Lektion wahrscheinlich sitzt.
Viele Verhärtungen und Blockaden tragen wir ja schon jahrelang mit uns herum. Also dürfen wir dem Körper und der Seele auch Zeit geben, diese in ihrem ganz eigenen Tempo aufzulösen. Deshalb ist es wichtig, langsam und Schritt für Schritt vorzugehen und nicht zu viel aufs Mal zu wollen. Körper und Seele müssen die Themen verarbeiten und integrieren können, und das geht deutlich langsamer als im Verstand.
Konkrete Anwendung
Wie funktioniert das nun aber in der Praxis?
Man wendet seine Aufmerksamkeit dort hin, wo gerade Unterstützung gebraucht wird!
Bei Beschwerden auf der körperliche Ebene kannst du zum Beispiel deinen Körper unterstützen, indem du dein Immunsystem anlächelst oder die Reparaturzellen der Haut. Du kannst dein Nervensystem entspannen und ihm ein Gefühl der Sicherheit geben, indem du ihm zulächelst. Oder bei Verspannungen kannst du die Durchblutung des entsprechenden Bereiches anregen, usw.
Die Energie folgt ja der Aufmerksamkeit. Man richtet deshalb seinen Fokus nicht auf die Beschwerden, sondern unterstützt mit dem Inneren Lächeln seine körpereigenen Heilungsmechanismen.
Bei Trauer, seelischen Schmerzen oder Ängsten öffnet das innere Lächeln einen direkten Kanal und bringt einen direkt und ungeschminkt in Kontakt mit der Wurzel der herausfordernden Themen! Durch diese bedingungslose Öffnung und Annahme werden sehr tiefgreifende Prozess angestossen! Diese Methode eignet sich deshalb gut, wenn ein Thema bereits bearbeitet ist, um es noch vollständig zu lösen und zu integrieren.
An dieser Stelle noch einmal den Warnhinweis, das Innere Lächeln nur dann auf herausfordernde Themen anzuwenden, wenn du mit dieser Energie auch umgehen kannst, mit der du in Berührung kommst! Für schwierige oder gar traumatische Themen, oder wenn du dir nicht sicher bist: Wähle eine andere Methode! Oder suche dir einen guten Traumatherapeuten oder nimm andere professionelle Hilfe in Anspruch, die diesen Prozess begleiten und auch fein dosieren können!
"Akku" aufladen
Wenn du dir etwas Gutes tun willst, kannst du regelmässig die Grundübungen machen, die im ersten Teil vorgestellt wurde, oder auch sonst alles, was deiner Seele schmeichelt! Damit lädst du deinen "Akku" immer wieder frisch auf, um auch mit anspruchsvolleren Themen arbeiten zu können.