Vom Geschenk der Krankheit

Ein rotes Blatt auf dem regennassen Asphalt

Geschenk der Krankheit?

Das hört sich vielleicht erst mal komisch an; ungewohnt. Krankheiten erlebt man ja als unangenehmen Zustand, den man so schnell als möglich los werden möchte. Und doch kann eine Krankheit auch ein Geschenk in sich tragen.

Viele Menschen auf einem spirituellen Weg berichten, dass am Anfang ihrer Reise eine schwere Krankheit oder existenzielle Krise stand, die eine Richtungsänderung herbeigeführt hat - die oft auch umso heftiger ausfiel, je mehr sie sich gegen die Veränderung gewehrt haben. Aber auch schon kleine Erkrankungen haben vielleicht ein Geschenk für uns.

Innenschau

Krankheiten reissen uns aus unseren gewohnten Alltagsmustern und werfen uns auf uns selbst zurück. Das gilt für kurze, heftige Erkrankungen wie eine Grippe ebenso wie für langwierige, chronisch Krankheiten.
Während wir uns im gesunden Zustand nach aussen hin orientieren, dreht sich bei einer Erkrankung plötzlich alles nur noch um uns selbst.
Wenn der Wunsch nach einem heissen Tee plötzlich wichtiger wird als alles andere, kommen wir mit existentiellen Fragen unseres Seins in Berührung. Früher in zugigen Hütten noch viel mehr als heute in unseren gut geheizten Wohnungen.

Das Geschenk einer Krankheit offenbart sich dann, wenn das Hadern mit dem Schicksal und das Leiden für einen Moment in den Hintergrund treten, wenn man an den Punkt kommt, wo es nichts mehr zu tun gibt, ausser mit der Krankheit zu "sein". Dann spürt man, wie sich die Zeit verlangsamt und vielleicht sogar zum Stillstand kommt. In diesen Momenten der Klarheit kann sich ein Tor zum Unbewussten oder zur Seele öffnen und man erfährt in einem kurzen Augenblick mehr über sich selbst als durch stundenlanges Nachdenken mit dem Verstand.

Lebensfragen

Mögliche Fragen können sein:
  • Wenn die Krankheit ein Bote ist, welche Nachricht will sie mir überbringen?
  • Ist mein Leben aktuell im Fluss oder leiste ich ständig Widerstand gegen die äusseren Umstände?
  • Wie fühlt sich mein Leben an? Wie ein Tanz oder wie ein Kampf?
  • Vertraue ich dem Leben und kann ich mich tragen lassen oder versuche ich krampfhaft mein Leben bis ins Detail zu kontrollieren?
  • Kann ich aus vollem Herzen JA dazu sagen und akzeptiere bedingungslos, dass ich genau jetzt, genau hier, in genau dieser Situation bin?
  • Sage ich JA zu mir selbst und zu meiner Existenz auf der Erde, oder will ich eigentlich gar nicht hier inkarniert sein?
  • Lebe ich nach meinen Idealen, meiner Bestimmung; lebe ich den Traum meiner Seele?
  • Gibt es eine höhere Schöpfungskraft, der ich vertrauen kann?
  • Was ist der Sinn meines Lebens?

Mit diesen ganz fundamentalen Fragen des Lebens kommt man im Alltag nur am Rande in Kontakt. Man spürt zwar, dass etwas nicht stimmig ist, aber meistens kann man sich um eine klare Entscheidung herum mogeln. Genau darin liegt das Geschenk der Krankheit, dass sie uns schonungslos zwingt, Farbe zu bekennen.
Das bedeutet nicht, dass man bei jeder Erkältung sein gesamtes Leben hinterfragen muss. Aber vielleicht trägt ja genau dieser Krankheitserreger oder dieser Schmerz, der einen behindert und einschränkt, auch das Geschenk einer positiven Veränderung in sich?
In diesem Sinne wünsche ich dir ganz gute Gesundheit und eine spannende Entdeckungsreise. :-)

Selbstverständlich kann man sich all diesen Fragen auch ohne Krankheit stellen und braucht nicht extra zu warten, bis man das nächste Mal das Bett hütet oder das Schienbein den Bettpfosten küsst. ;-)