Stolpersteine auf dem spirituellen Weg

Rauch von Räucherstäbchen

Der spirituelle Weg und seine Stolpersteine

Weshalb interessierst du dich für Persönlichkeits­entwicklung und spirituelle Themen? Waren Yoga und Meditation, Bücher über gesunde Ernährung, Achtsamkeits­seminare, Retreats, Satsangs und der Austausch mit anderen über spirituelle Entwicklung schon immer wichtig für dich?
Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass dir das Leben irgendwann einmal einen Schubs in diese Richtung verpasst hat. Was zu Beginn vielleicht der Ausweg aus einer Lebenskrise war, entwickelte sich schnell zu einem sehr befreienden Weg, begleitet von einem Gefühl der Freiheit, Leichtigkeit, Weite und Selbstbestimmung. Und man kann es kaum glauben, dass man zuvor Jahrzehnte seines Lebens mit Scheuklappen unterwegs war, um nicht zu sagen "vergeudet" hat.

In der ganzen Euphorie kann es aber leicht geschehen, dass man, kaum dem unbewussten "Muggle"-Leben entronnen, sogleich in der nächsten Zwangsjacke landet. Anstelle von weltlichen Zielen bieten sich nun spirituelle Meisterschaft und feinstoffliche Erfolge an. In der Folge kann sich eine Art "spiritueller Ehrgeiz" oder Perfektionismus entwickeln; manchmal auch ganz subtil. Oder andere werden von der Angst getrieben, nicht genug für ihre körperliche und seelische Gesundheit zu unternehmen. So oder so baut sich ein erheblicher Druck auf.

Die wahren Motive

Es ist deshalb hilfreich, von Zeit zu Zeit seine wahren Motive zu hinterfragen.
Beschäftige ich mich tatsächlich aus einem tiefen, inneren Bedürfnis heraus mit meiner spirituellen Entwicklung oder ist es stattdessen der Verstand, der mir einen Mangel vorgaukelt, den es auszumerzen gilt? Das kann auch auch eine Kombination aus beidem sein.

Das Ziel des Lebens

Halten wir uns vor Augen - um glücklich leben zu können, müssen nicht erst alle Knoten aufgelöst sein, der Körper von allen Traumata und Schlacken befreit, der perfekte Seelenpartner gefunden sein und unser Seelenbusiness wie ein Komet am Himmel erstrahlen. Im Gegenteil, all diese mentalen Vorbedingung verhindert gerade, echtes Glück im Hier und Jetzt zu erfahren. Diese Vorstellungen entspringen unserem Verstand, weil wir unbewusst davon ausgehen, dass es so etwas wie einen perfekten Zustand gibt; eine Stufe auf der wir ES geschafft haben und unsere wahre Bestimmung leben können.
Aber ein solches Ziel ist eine Illusion. Diesen Zustand gibt es nicht, denn dort wäre ja keine Entwicklung mehr möglich.

Es verhält sich eher so wie bei einer Zwiebel. Sobald eine Schale gelöst ist, wird die darunter liegende sichtbar. Mit dem Unterschied zum Gemüse, dass es im realen Leben nie aufhört. Es gibt also nicht wie im Märchen einen Zustand, an dem der Held seine Aufgabe erfüllt hat und fortan glücklich bis ans Ende seiner Tage im Paradies lebt.

Es gibt nichts zu erreichen

Im ersten Moment mag das desillusionierend wirken, weil wir uns gewohnt sind, auf ein Ziel hinzuarbeiten und dieses dann als erledigt abzuhaken. Die gute Nachricht ist aber, dass wir unsere Inkarnationsreise weder durch mustergültiges Verhalten beschleunigen können, noch dass wir am Ende unseres Lebens eine Prüfung bestehen müssen.
Es gibt nichts zu erreichen im Leben! Alan Watts hat das Leben einmal mit einem Tanz verglichen. Das Ziel des Tanzes ist es zu tanzen und nicht möglichst schnell oder perfekt das Ende zu erreichen!

Einzig unser Verstand und unser Schmerzkörper reden uns ein, dass wir MEHR tun müssten für unser Seelenheil, dass wir noch zu wenig weit seien, uns zu wenig anstrengten, ...!
Mit der Angst im Nacken versuchen wir uns dann zu perfektionieren und halten unseren Fokus permanent auf die Zukunft gerichtet, anstatt das bereits Erreichte zu feiern und uns an der Gegenwart zu erfreuen.

Entwicklungspfade

Das Leben findet immer Mittel und Wege, um unsere Entwicklung zu fördern. Wir können also getrost darauf vertrauen, unser Ziel so oder so zu erreichen, auch wenn wir gar nichts willentlich dazu beitragen.
Uns nun einfach aufs Sofa zu fläzen und keinen Finger mehr zu rühren, ist hingegen auch nicht die Idee, weil die innere Entwicklung ja unserem seelischen Bedürfnis entspricht.

Unterscheiden lernen

Wie findet man nun aber heraus, was förderlich ist und was nicht?
Frage dein Herz! Kommt die treibende Kraft aus der Tiefe deiner Seele und ist die Liebe deines Herzens spürbar bei dem was du tust? Oder sitzt dir stattdessen die Angst im Nacken, weil du ein Problem noch nicht gemeistert hast oder nicht so perfekt und vollständig bist, wie du dir das vorstellst?
Du kannst dich auch fragen, wirst du geleitet von der Liebe Gottes / des Schöpfers / des Universums / der Quelle, oder wirst du getrieben von deiner Angst?

Der Grat ist schmal, aber mit jedem Schritt den wir bewusst gehen, wächst die Zuversicht und die Unterscheidungskraft, so dass wir immer besser auseinanderhalten können, was uns in unserer Entwicklung tatsächlich voran bringt oder was nur unserem Ego schmeichelt.

Momentaufnahme

Mit welchen Themen beschäftigst du dich gerade?
Wie fühlt sich die Motivation dahinter an? Spürst du die warme, vertrauensvolle Stimme deines Herzens oder ist es eher die harte Stimme des Verstandes?