Meditieren mit dem Kühlschrank
Interessante Eigenschaften
All meine bisherigen Kühlschränke weisen eine interessante Gemeinsamkeit auf. Nicht nur halten sie den Inhalt wunschgemäss frisch, sie neigen auch dazu, just in dem Moment ihr Kühlaggregat einzuschalten, in dem ich mich entspannt zur Meditation hinsetzte und beginne, den Atem wahrzunehmen.
Wenn das nur einmal vorkommt, könnte man das getrost dem Zufall zuschreiben. Aber die Häufung dieser Vorfälle begann mich stutzig zu machen, passierte doch das mit schöner Regelmässigkeit jeweils Morgens und Abends pünktlich zu Beginn meiner Meditation.
Stoisch versuchte ich also der Herausforderung zu trotzen, während sich das Brummen und Summen in meinen Gehirnwindungen festsetzte und auch mit äusserster Willensanstrengung nicht zu vertreiben war, geschweige denn von selbst wie eine Wolke von dannen ziehen wollte.
Eine Strategie musste her, ein Plan, eine Aktion, um diesem existenziellen Problem Herr zu werden! Als Ingenieur kamen mir sofort tausend Ideen! Ein Gehörschutz, eine Zeitschaltuhr, sogar über einen speziellen, goldenen Meditationsknopf dachte ich nach, der das Gerät für eine halbe Stunde ruhig stellen würden. :-)
Losgelöst
Entnervt zog ich eines Abends einfach kurzerhand den Stecker!
Und siehe da, plötzlich herrschte himmlische Ruhe! Ungestört von fremden Einflüssen konnte ich mühelos meinem Atem folgen und schwebte ganz neuen Sphären entgegen! Mein war die kosmische Freiheit und die Erleuchtung schien zum Greifen nah!
Die seelige Tiefenentspannung hielt die ganze Nacht an, genauer gesagt bis zum Frühstück am nächsten Morgen. Statt frischem Quark erwartete mich ein Schwall abgetauten Wassers aus dem Gefrierfach, der mir entgegenschwappte. Im meditativen Rausch hatte ich tatsächlich vergessen, den Kühlschrank wieder einzustecken!
Seither ist mir klar, dass alles seinen Preis hat. Erleuchtung gibt es nicht für lau und wahrscheinlich auch nicht auf diesem Weg. ;-)
Arrangieren
Irgendwann habe ich mich damit arrangiert und das Hintergrundgeräusch in die Meditation integriert. Anstatt nur meinen Atem wahrzunehmen, lasse ich mich seither auch vom sanften Rauschen aus der Küche in mein Inneres tragen. Das Geräusch ist mittlerweile tatsächlich zu einer Wolke geworden, die, wenn schon nicht vorbei zieht, so doch zu einem vertrauen Begleiter geworden ist.
Etwas anders sieht das aus mit dem Rauchmelder, der neulich im dümmsten Moment einen Fehlalarm produzierte, aber das ist eine andere Geschichte. :-)
Akzeptieren oder verändern!
Diese Kurzfassung des Gelassenheitsgebetes zeigt die beiden Optionen, die wir haben: Akzeptieren oder Verändern.
Gibt es in deinem Leben etwas, dass endlich verändert werden soll?
Wogegen kämpfst du erfolglos an? Was ist dein "Kühlschrank"? Vielleicht das Schnarchen des Partners, der Staub in der Wohnung oder das Rosten des Autos?